Abregen? – noch mal zu Regeners Rant bzw Kommentaren dazu

Jetzt muss ich doch noch einen zweiten Teil dazu schreiben, weil’s mir zu lange und zu schade ist, das in der comment-section zu belassen. Wird wieder keine objektive Analyse, keine Angst. ­čśë
Bin ├╝brigens doch ganz sch├Ân erstaunt, dass dieser eine Ausbruch von Regener ein so breites Web-Echo hervorgerufen hat.

feydbraybrook schrieb:
“Sorry, da liegst Du falsch. Viele Musiker, die es zu etwas gebracht haben, sind jahrelang durch den Dreck gewatet und haben von Scheisse gelebt und sind trotzdem dabei geblieben ÔÇô aus Liebe zur Musik. Deswegen haben sie nicht freiwillig kein Geld verdient. Sie haben es in Kauf genommen, nach dem Motto: ich w├╝rde gerne davon leben, nichts anderes machen als Musik, aber notfalls tue ich es auch, ohne etwas daf├╝r zu bekommen. Und dann hats bei denen eben doch geklappt.
Nur, weil einer Geld mit Musik verdient, ist Geld noch lange nicht sein einziger Beweggrund daf├╝r.”

Nat├╝rlich nicht, das habe ich auch nicht behauptet. Im Gegenteil: Das ist doch das, woran mir liegt. Und Musik machen aus Leidenschaft hei├čt doch nicht, dass sie unentgeltlich sein muss. Ich finde es aber unsympathisch, wenn f├╝r Leute Profit der dominante Grund daf├╝r ist, Musik zu machen, und wenn dann langweilige Pl├Ârre rauskommt sich jemand (das soll sich jetzt nicht explizit auf Regener beziehen, auch wenn ich mit Element Of Crime noch nie was anfangen konnte) hinstellt und fordert: ‘Jetzt hab ich doch in diese Karriere investiert und hart gearbeitet, da steht mir doch jetzt auch Entlohnung daf├╝r zu’. Das ist mir zu sehr auf die Handwerksseite argumentiert. So funktioniert Popmusik halt nicht.

Und ich finde die Abwertung von K├╝nstlern, die ihre Musik ganz bewusst als ” chose-what-you-pay” mit Gratisoption unter Creative Commons Lizenzen ins Netz setzen, nicht gut. Diese Mentalit├Ąt, dass etwas schlecht sein muss, wenn jemand es kostenlos hergibt, zeugt ja nur davon wie profitfixiert diese Ecke der Musikwelt ist.

Nat├╝rlich w├╝rden aber alle gerne davon leben. Die Realit├Ąt sieht aber nun mal so aus, dass 95% oder mehr das nicht k├Ânnen, weil das Geld nicht da ist, egal wieviel sie daf├╝r aufgeben und wie intensiv sie an ihrer Musik arbeiten. Die Schuld daf├╝r aber nur bei illegalen Downloadern zu suchen (das w├Ąren ja immerhin schon Leute, die sich f├╝r deine Musik interessieren) und damit deine Fans zu kriminalisieren, oder derzeit youtube/google den schwarze Peter hinzuschieben ohne dabei zu sehen, dass youtube eine fantastische kostenlose fanbasierte Werbung f├╝r Musik bietet, das ist weltfremd. Es gibt zahllose Gr├╝nde, es mag zum Teil an der zu sp├Ąten Besinnung auf neue Vertriebsideen und einen unglaublich schwerf├Ąlligen Umgang mit einer neuen Medienrealit├Ąt seitens der Musikwirtschaft liegen, oder zum Teil auch dran, dass genauso Geld in andere Unterhaltungsmedien, Event- und Partykultur (irgendwann gibt’s bestimmt Krieg zwischen Leuten die sich als ‘richtige Musiker’ verstehen und DJs ^^), Handys, Ipads und was wei├č ich gesteckt wird. Vielleicht liegt’s auch teilweise daran, dass viele ganz einfach auch nicht mehr Geld haben, das sie f├╝r diesen Lebensbereich ausgeben k├Ânnen, und sicherlich auch daran, dass es┬áheute fast mehr Acts als Publikum daf├╝r gibt. Ich k├Ânnte mir sogar vorstellen, dass die Entwicklung in Zukunft noch mehr Richtung ‘selber machen’ gehen k├Ânnte – ┬ásei es spielerisch durch Konsolenspiele (Guitar Hero und verwandte, Karaoke usw.) oder eben dass noch mehr Leute selbst zu Hause am Computer Musik produzieren, remixen, was auch immer, oder was ja auch stetig w├Ąchst: der DJ Bereich. (Wie Tiga letzthin twitterte: “there should┬ábe some kind of┬áprize┬áfor anybody (under 40) who has NEVER DJed“.)┬áDann w├╝rde sich jedenfalls noch weniger Geld auf die Bands verteilen, die es auf die traditionelle Weise versuchen. Kultur ist halt ein fickle beast, sie und ihre Bedingungen ├Ąndern sich immer wieder im Laufe der Jahrhunderte und wer sie zum Stagnieren bringen will, t├Âtet sie und wenn er das als Kulturschaffender tut, schafft er sich selbst halt gleich mit ab, wenn’s bl├Âd l├Ąuft.

Zur├╝ck zu dem Kommentar oben: Es ist halt eben nicht so, dass aus ‘hart arbeiten’ automatisch Erfolg wird in der Musik. Das ist ja eine Logik, die nicht mal in der Arbeitswelt jenseits der Unterhaltungsindustrie funktioniert.┬áWarum es ein paar wenige Bands doch eine zeitlang schaffen, davon leben zu k├Ânnen, das h├Ąngt ja auch von so vielen Faktoren abseits der ganzen Urheberrechtsthematik┬áab, dass das ein ganzes Themenfeld f├╝r sich w├Ąre. Qualit├Ąt ist dabei gewiss nicht ma├čgeblich. Wie letzthin jemand (ich glaube, es war Franz Apunkt Schneider) ganz richtig sagte: Pop ist nun mal nicht fair. Mich verbindet ja auch durchaus grad deswegen so eine intensive Hass-Liebe mit ihm.

Was w├Ąre denn aber ├╝berhaupt fair? Was f├╝r MusikerInnen sollten denn von ihrem Schaffen leben k├Ânnen? Gerade in einer Zeit, in der es dank technischem Fortschritt einfacher und billiger denn je geworden ist, selbst Musik zu machen und jedeR Dritte davon tr├Ąumt, irgendwann sein Einkommen mit Musik stemmen zu k├Ânnen, steht fest: F├╝r alle wird’s nie reichen. Aber mal angenommen, irgendwer glaubt ernsthaft, dass wenn die Daumenschrauben des Urheberrechtsschutzes fester angezogen w├╝rden und die Fans/Diebe Millionen Euro ausgeben w├╝rden / Strafe zahlen m├╝ssten und dieses Geld dann gerecht verteilt werden sollte, um wenigstens einem Bruchteil der Musikschaffenden ein Auskommen zu bescheren. Wer w├╝rde es denn eurer Meinung nach verdienen?

Sollen es die hart an sich arbeitenden Bands sein? Sollen es die sein, die ein Pop-Diplom in Kompositionslehre und Viral Marketing gemacht haben? Sollen es die sein, die am meisten verkaufen? Sollen es die sein, die kreative neue Wege gehen und sich trauen Popmusik weiterzudenken? Sollen es die sein, die den klassischen Pop/Rock/whatever-Song perfektionieren? Sollen es die ‘richtigen’ Bands sein, weil sie ├ťbungsr├Ąume, Studio etc. finanzieren m├╝ssen im Gegensatz zu vielen solo-electronic acts? Sollen es die sein, die ganz viel Pers├Ânliches investiert haben, ihre Jobs/Wohnungen/Beziehungen/etc aufgegeben habe, um f├╝r ihre Musik zu leben? Sollen es die sein, die in Management/Bookingagentur/Promofirma/etc. investiert haben?
Weil das schwer zu beantworten ist, ┬ábeschw├Âren an dieser Stelle der Diskussion manche auch pl├Âtzlich das uralte Bild vom K├╝nstler als sch├╝tzenswertes kreatives Genie herauf, dass unsere Gesellschaft um ein unverzichtbares Kulturgut bereichert. Woran erkennt man aber diese wenigen Auserw├Ąhlten? Diese Sicht macht die Diskussion nicht einfacher, sondern hebt sie blo├č auf so ein seltsam esoterisches Level. Und auch wenn ich selbst gern in hemmungsloses Schw├Ąrmen ├╝ber Musik gerate, und manche K├╝nstler auf einen solchen Altar hieve – in so einer Diskussion hat das heute f├╝r mich nichts verloren. Ich beschw├Âre dann lieber im Gegenzug das Bild einer 5ÔéČ-die-Stunde-Fabrikarbeiterin herauf, die noch nebenbei putzen geht, um ihre Kinder durchzubringen. Ist noch ungerechter. Hilft in unserer Diskussion auch nicht weiter. Aber wenn man sich schon darauf beruft, dass Musiker ein Beruf wie jeder andere auch sein sollte, dann halt auch konsequent.
Und wie hat es Blog-Kollege P. Breuer so sch├Ân geschrieben: “Ich bin ├╝brigens f├╝r ein Bedingungsloses Grundeinkommen. Zack, alle Probleme gel├Âst. Nicht nur die der K├╝nstler. Aber auf mich h├Ârt ja keiner.”

Noch einen Kommentar m├Âchte ich herausheben:

Sebastian F. Klaus schrieb:
“Lasst uns doch mal ehrlich sein: Das, was sich wunderbar und profitabel verkaufen l├Ąsst, ist in den wenigsten F├Ąllen voller Qualit├Ąt, Aussage und vielleicht sogar Idealismus ÔÇô vielmehr ├╝berf├╝llt und ├╝berfordert durch Lobbyismus!

Schaut man sich die Playlists von Radiosendern oder Plattenl├Ąden, dann findet man in aller Regel immer die gleiche Auswahl ÔÇô hoch dotierte, extrem profitable ÔÇťInterpretenÔÇŁ und meist keinen einzigen, der unsere Gedanken oder unser Handeln durch seine Lieder / Werke bereichert.

Zur Aussage im Kommentar von S Sen, dass es der Gesellschaft schwer fallen w├╝rde, f├╝r Kunst zu zahlen, f├Ąllt mir schlichtweg nur ein: ÔÇťBl├Âdsinn!ÔÇŁ Okay, ich gebe zu, bei 99% der dargebotenen Werke in diversen L├Ąden, w├╝rde ich mich tats├Ąchlich damit schwer tun, nur einen m├╝den Cent f├╝r zu investieren. Aber weniger, weil ich generell nichts f├╝r ÔÇťKunstÔÇŁ ausgeben m├Âchte, sondern weil ÔÇťDASÔÇŁ keine Kunst f├╝r mich darstellt. Ob es nun Musik ist oder andere K├╝nste gemeint sind, spielt eigentlich keine Rolle. Dass jemand sein Werk dann auch nicht als Kunst anerkannt sieht, ist sogar in Ordnung f├╝r mich: Dann ist es nunmal keine Kunst, die einen zur Investition anstachelt ÔÇô vielleicht reicht es einfach nicht. Vielleicht ist es nicht gut genug. (…)”

Danke daf├╝r. Diesem Gedanken mag ich eigentich gar nicht gro├č was hinzuf├╝gen.
Selbiger Lobbyismus und finanzielle Abh├Ąngigkeiten (Werbung schalten im Austausch f├╝r ‘redaktionelle’ Beitr├Ąge oder Reviews etc) haben sich ja leider auch in der Musikpresse und Musikblogs vielerorts durchgesetzt und machen sie f├╝r mich immer uninteressanter. Das Spielerische, Neugierige bleibt da oft au├čen vor und man sp├╝rt die mit Inhalt aufgeh├╝bschte Kalkuliertheit und die kleinen Gefallen zu sehr durch. K├╝nstlerInnen dagegen, die sich nicht in die H├Ąnde einer PR-Maschinerie und den eine-Hand-w├Ąscht-die-andere-Beziehungsdschungel usw. begeben, bleiben oft einfach unsichtbar, egal welche Qualit├Ąten ihre Musik aufweist.
Das war fr├╝her f├╝r mich eher irrelevant, weil es eigentlich blo├č Mainstreampop zu betreffen schien, dessen Verwertungslogik mir noch nie sympathisch war, doch heute zieht sich das leider bis in den ‘Underground’ durch, der ja eh nicht mehr wirklich davon zu trennen ist.
AIDS WOLF, die sich leider, aber verst├Ąndlicherweise aufgel├Âst haben, streifen das Thema der auch im avantgardistischen Underground ver├Ąnderten Musikszene in ihren Abschiedsworten hier, m├Âchte ich kurz einf├╝gen, weil’s so lesenswert ist.

Und noch einer:

mixermansworld schrieb:

“Etwas einseitig diese Meinungen. Ich finde es gibt bzw. darf hier kein schwarz/wei├č-denken geben. Vielleicht h├Ątte der Herr Regener seine Emotinen etwas im Zaum halten sollen und zu Dir kann ich nur sagen, sobald man sich entscheidet sein Geld ÔÇô falsch ÔÇô seinen Lebensunterhalt mit Musikmachen, Komposition, Texten oder was auch immer zu verdienen passiert das auf einer anderen Ebene. Vielleicht sollte man sich das mal an einem einfachen Beispiel bewusst machen: Du m├Âchtest Dir ja zum Fr├╝hst├╝ck auch einen Kaffee g├Ânnen oder mal ne Semmel essen, diese Dinge musst Du k├Ąuflich (also mit etwas Geld) erwerben und ich glaub nicht das Dir dein B├Ącker die Br├Âtchen schenkt obwohl er vielleicht leidenschaftlich gerne Semmeln b├Ąckt.”

Ja, und wenn alle seine Semmeln nicht ausstehen k├Ânnen, und sich stattdessen woanders Baguette kaufen oder Brot selber backen, und der B├Ącker dann pleite geht – jammert der dann genauso auf seinem Anrecht auf Verdienst rum, weil er doch so hart gearbeitet hat? Bl├Âdes Konter, aber warum der B├Ąckerei-Vergleich hinkt, kannst du dir selbst ergooglen, das ist ein beliebtes Beispiel in der Debatte um geistiges Eigentum.

Was ich noch mal betonen m├Âchte: Ich bin in keinster Weise F├╝rsprecherin einer ‘Geiz-ist-geil’-Mentalit├Ąt, und mich kotzt es an, wenn Leute Kultur, die nicht profit-orientiert ist, mit dieser Mentalit├Ąt in einen Topf werfen. Dass ich das Urheberrecht in seiner jetzigen Form nicht zeitgem├Ą├č finde, hei├čt keineswegs, dass ich, wie immer gleich gern unterstellt wird, finde, dass Musik gratis sein muss.

Und weil mir bei diesem die Gem├╝ter doch ganz sch├Ân anheizenden Thema auch unterstellt wurde, dass ich so gar keine Ahnung habe, von was ich spreche: Ich mache selbst Musik, habe Platten und CDs rausgebracht und verkauft, bin durch ein paar L├Ąnder quer durch Europa getourt auf meist selbst gebuchten Touren, hab vor drei Leuten gespielt und hab vor 1000 Leuten gespielt, ich veranstalte Konzerte in einem Veranstalterkollektiv, bei denen die Band manchmal vor 15 Leuten spielen, manchmal vor 400, bin in Kontakt mit Bands direkt ebenso wie mit ganz gro├čen Agenturen, ich lege auf und organisiere Parties – also: ich bewege mich zumindest nicht au├čerhalb dieser ganzen Szenerie, um die es geht, auch wenn ich mich nicht als ‘Professionelle’ betrachte. Ich finde es nicht gut, wenn eine internationale Band f├╝r eine Gage spielen muss, bei der die einzelnen Bandmitglieder nur einen Bruchteil dessen bekommen, was z.B. der Tontechniker am selben Abend bekommt, der vielleicht auch schon f├╝r weniger Geld arbeitet, als der Standard ist. Ich finde es nicht gut, zu wissen, dass von der GEMA Geb├╝hr, die wir f├╝r ein Konzert bezahlen, voraussichtlich nie wirklich etwas bei der US Band ankommen wird, die gespielt hat. Ich finde es nicht gut, dass ich nicht frei bin, einfach eine Platte mit meiner eigenen Musik zu ver├Âffentlichen, ohne mir vorher von der GEMA, mit der ich gar nichts zu tun haben will, mein Werk ‘freistellen’ lassen zu m├╝ssen. Ich finde es nicht gut, dass immer ├Âfter DJs das mehrfache dessen verdienen was ein Bandmitglied verdient. Ich finde es nicht gut, dass Leute bereit sind f├╝r ein Festivalticket dreistellige Betr├Ąge hinzulegen, aber bei kleinen Konzerten wegen dem Eintrittspreis rumdiskutieren wollen. Ich finde es nicht gut, dass viele wie auch ich, sich ganz schlicht und einfach nicht mehr so viele Konzerte und Platten leisten k├Ânnen wie fr├╝her. Ich finde es nicht gut, wenn Leute Musik ausschlie├člich gratis abgreifen, obwohl sie von sich behaupten, dass ihnen Musik total wichtig ist. Ich finde es nicht gut, zu wenig Zeit zum ausgiebigen Musikmachen zu haben. Ich find es nicht gut, … ┬áEy – es gibt schon wirklich zig Sachen ├╝ber die ich Jammern k├Ânnte. Hab ich aber keine Lust drauf. Lieber weitermachen und versuchen, Leute f├╝r Musik mitzubegeistern, die mich begeistert, weil ich glaube, dass Begeisterung ein viel besserer Grund ist, Geld f├╝r Musik auszugeben als drohende Strafen oder jammernde Musikschaffende.

12 thoughts on “Abregen? – noch mal zu Regeners Rant bzw Kommentaren dazu

  1. Regener, Putzfrau, bedingungsloses Grundeinkommen, GEMA – worum geht’s hier eigentlich? Ums Urheberrecht? Man kann nicht irgendwie daf├╝r und irgendwie auch dagegen sein. Entweder, oder. Dagegen zu sein hie├če, k├╝nstlerisch veranlagten Menschen das Recht abzusprechen, mit ihrem Talent und ihrer Arbeit Geld zu verdienen. Das will angeblich keiner. Und dann bleibt eigentlich nur noch, daf├╝r zu sein. Ohne Wenn und Aber. Auch, wenn es bedeutet, dass unter Umst├Ąnden auch K├╝nstler davon profitieren, die man selbst f├╝r Flachpfeifen h├Ąlt. Das ist Marktwirtschaft.

    Ergo: Wer das Urheberrecht in Frage stellt, der muss unser Wirtschaftssystem an sich in Frage stellen. Kann man ja machen, aber bittesch├Ân nicht selektiv.

    1. Das kann man vielleicht in deinem Weltbild nicht, aber viele haben sehr genau ausdefinierte Positionen, die zwischen einem v├Âlligen Daf├╝r oder Dagegen liegen. Gegen das Urheberrecht in seiner jetzigen Form zu sein, kann zum Beispiel hei├čen, f├╝r das Urheberrecht ├á la Creative Commons zu sein, wo zum Beispiel Weiterverbreitung unter bestimmten Bedingungen und derivate Werke gestattet werden k├Ânnen. Oder auch nicht.

      1. Ich w├╝sste nicht, dass das geltende Recht einem Urheber verbietet, die Verbreitung seiner Werke an Bedingungen nach CC oder XYZ zu kn├╝pfen. Im Gegenteil: Das Urheberrecht ist Voraussetzung daf├╝r.

        Wer also dem Urheber das Recht entziehen will, selbst ├╝ber die Verbreitung seiner Werke zu bestimmen, muss das Urheberrecht in seiner grundlegenden Bedeutung abschaffen.

        1. Ups, sorry, da hast du nat├╝rlich recht. Da hab ich jetzt mal eben so fr├╝h am Morgen was durcheinandergeschmissen. ^^
          Die Umsetzung der Durchsetzung des Urheberrechts (durch die GEMA oder Abmahnanw├Ąlte) kritisiere ich auch, keine Frage, aber da das Urheberrecht bei K├╝nstlern in der Gr├Â├čenordnung wie Regener eh durch wirtschaftliche Zw├Ąnge meist an das Label abgetreten wurde, kann er nicht wirklich so frei damit agieren. Ein Gesichtspunkt warum eine ├änderung des Urheberrechts angebracht w├Ąre, liegt f├╝r mich z.B. in der Entwicklung der samplebasierten Musik, die doch zum Spannendsten und Innovativsten geh├Ârt, was die letzten Jahrzehnte so herausbrachten.
          Bei der ganzen Retroverliebtheit ‘handgespielter’ Popmusik stellt sich wiederum z.B. auch die Frage: Was soll da gesch├╝tzt werden? Die Tonfolgen, die sich vielleicht nur durch einen einzigen variierten Note von einer schon dagewesenen unterscheiden (wenn ├╝berhaupt)? Der Glaube an eine noch nie dagewesene sch├╝tzenswerte Tonfolge zeugt doch von einem sehr verstaubtem Musikverst├Ąndnis. Ein eigener Sound, an dem jahrelang rumgefeilt wird, digitale ├ťberarbeitung, Remixen – darin steckt doch heute oft mehr Innovatives und mehr Kreativit├Ąt als in einer Tonfolge. Da erscheint es doch etwas beliebig, letztere auch noch heute als sch├╝tzenswertes Herausstellungsmerkmal herzunehmen.
          Ich habe dazu noch keine fest abgeschlossene Meinung, dazu ist das Thema auch viel zu ausufernd. Aber ich wei├č genug dar├╝ber, dass es mit einem simplen ‘es gibt nur Daf├╝r oder Dagegen’ nicht getan ist.

  2. Mal abgesehen davon, dass auch hier noch zu sehr Urheberrecht und Verwerterrecht durcheinander gehauen wird, gibts in der hier benutzten Ausdrucksweise noch ne andere begriffliche Unsch├Ąrfe.:
    In Deinem Beitrag oben las ich u. a.
    “Ich finde es nicht gut, dass immer ├Âfter DJs das mehrfache dessen verdienen was ein Bandmitglied verdient.”

    Ich bitte doch, hier eher auf “bekommt bezahlt” oder “nimmt ein” (weitere den tats├Ąchlichen Fakt weit genauer beschreibende Formulierungen gibts zu Hauf) abzustellen als gerade “verdient”.

    Warum: Neben vielen wohl eher doch flei├čig arbeitenden Betriebsresourcenverwaltern
    gibts dann auch noch gierschl├╝ndige “Spitzenmanager”. Letztere erhalten ├╝bertrieben mehr Geld, als sie tats├Ąchlich verdienen. Die Reinigungsfachkraft verdient auch weit mehr, als sie tats├Ąchlich bezahlt bekommt.
    Mal nebenbei bemerkt.

    Das Urheberrecht ist lt. deutschem Gesetz nicht verkeufbar, aber ich kenne – obwohl ich nicht in die Szene geh├Âre – gen├╝gend Leute, die in der Anfangsphase ihres Schaffens den Vertrieb durch die GEMA angstrebt haben. Mit der Folge, ihre eigenen Sch├Âpfungen eben nicht mehr verwerten (sprich frei spielen) zu k├Ânnen, ohne bei der GEMA daf├╝r selber mit “‘ner Handvoll Geld” “Bitte bitte” machen zu m├╝ssen.

    Das Problem ist, dass schon die verwendeten Begriffe diese Unsauberkeit hervorrufen.
    Ich bin durchaus f├╝r Urheberrecht. Ich w├╝rde s├Ąmmtliche Verwerterrechte abschaffen, und definieren, dass die T├Ątigkeit des Verwerters eine reine Dienstleistung desselben gegen├╝ber dem K├╝nstler ist, der diese Dienstleistung, so er sie in Anspruch nimmt, auch zu bezahlen hat. Aber mit dem Recht als Urheber, die tats├Ąchlichen Dienstleistungskosten notfalls auch exakt und nachpr├╝fbar aufgeschl├╝sselt zu bekommen, bevor er sie bezahlt.
    So w├╝rde m.E. ein wirklich Paar Schuhe draus.

  3. Ich denke auch dass Regener in einigen Punkten ein wenig am Ziel vorbeisteuert. So z.B. bei der Aussage “das Einzige was den Rock n Roll ausmacht, ist dass wir jeden Cent selbst damit verdienen”. Das finde ich auch problematisch. Das kann den Anschein erwecken, es ginge ihm mehr ums Geld als um die Kunst/ die Musik.
    Eines muss aber auch deutlich gesagt werden. Es ist mindestens genauso indifferenzierter Kitsch und pseudo-revolution├Ąres, idealistisches Gerede, immer wieder zu betonen, auf das Geld im Kunstbetrieb sei doch geschissen. Klar macht man weiter, auch wenn das Geld nicht stimmt. Nat├╝rlich geht es einem in erster Linie um die Haltung! Um den Spirit und die eigene Musik, die eigene Kunst. Alles selbstverst├Ąndlich! keine Wiederede.
    Aber irgendwann muss in dieser Kapitalistischen Welt etwas rumkommen mit der Kunst, der Musik, ansonsten kann die Kunst in zeitgem├Ą├čer Form nicht existieren. Als K├╝nstler/Musiker braucht man k├Ârperliche Energie und geistigen Freiraum um etwas von Wert zu schaffen (hiermit meine ich von k├╝nstlerischem Wert). Es mag sein, dass es einige K├╝nstler gibt, die trotz Erfolglosigkeit und 500 Jobs ├╝ber 10 Jahre weitermachen und irgendwann erfolgreich sind, und das ist auch super so! Aber: Ich w├╝rde gerne einmal sehen, wie viel Musiker / K├╝nstler an mangelnder Wertsch├Ątzung ihrer Form der Arbeit zugrunde gegangen sind, verr├╝ckt geworden sind oder zumindest nicht einen Bruchteil dessen an der Gesellschaft ├Ąndern haben k├Ânnen, von dem was sie wollten. Und ich w├╝rde gerne sehe, wie diese Welt aussehen wird, wenn kritischen K├╝nstlern noch weniger Wertsch├Ątzung (vor allem finanziell) entgegengebracht wird. Unsere Welt wird h├Âchstwahrscheinlich einfach in unreflektiertem, purem Materialismus und Kapitalimus ausarten. ich wei├č es nicht- Ich w├╝sste aber keinen Grund warum der K├╝nstler sich einer Bezahlung verweigern sollte!

    Wenn man eine Passion f├╝r eine Sache wie Kunst hat, diese aber durch die Gesellschaft nicht gew├╝rdigt wird, oder das Gef├╝hl aufkommt, dass “die Leute auf einen pissen”, weil sie f├╝r eine Vintage Sonnenbrille 80 Euro + zahlen, einen guten Song aber eher Streamen als zu kaufen, wo ist dann die Wertsch├Ątzung? Wo, wenn man sich daf├╝r rechtfertigen muss, 2 Euro bis 5 Euro Eintritt f├╝r ein Konzert zu verlangen? Da kann ich auch nur fragen: was ist das f├╝r eine Einstellung?! Das bringt mich ebenso zur Wei├čglut.

    Solange wir im Kapitalismus leben, muss auch f├╝r Musik/Kunst bezahlt werden. Es ist hierbei die Frage: wie macht man das im Internet Zeitalter. Ich bin ebenso nicht der eiserne Verfechter der alten Formen wie GEMA oder ├ähnlichem. Ich feiere auch nicht den finanziellen Erfolg eines Pop/Rockstars ab, im Gegenteil. Es muss an einem neuen System gearbeitet werden um geistiges Eigentum/ Musik/ Kunst zu finanzieren. Es muss eine Bezahlung gew├Ąhrleistet sein, solange wir im Kapitalismus leben. Immer wieder auf der “realness” der Armut eines K├╝nstlers oder dessen eisernen Willens zu beharren, bringt uns faktisch nirgends hin, als dass FDP und CDU weiter regieren, da diese Menschen nicht so nachl├Ąssig mit ihrer gesellschaftlichen Position/mit ihrem Geld umgehen wie der verg├Âtterte “untergrund-k├╝nstler”. Und wahrscheinlich k├Ânnen wir als K├╝nstler/Musiker in dieser Beziehung sogar noch von den Spie├čern lernen. Nur so l├Ąsst sich etwas an der Gesellschaft ver├Ąndern, denn die Finanzelite ist am Dr├╝cker und wir spielen ihnen perfekt in die Hand, uns auf eine Untergrund Rolle zu reduzieren. Gute K├╝nstler wie Morrissey oder Lennon und viele andere wollten eine Gesellschaftliche Ver├Ąnderung obwohl es ihnen zuallererst um Musik ging – Wichtig: es besteht (das tut den idealisten jetzt weh) kein Widerspruch darin, “echte” Kunst zu machen, und dabei finanziell ├╝ber die Runden zu kommen. Vielmehr ist Geld als Wertsch├Ątzung wichtig, um sich einen k├╝nstlerischen/gedanklichen Freiraum zu bewahren !

    In einem gewissen Grad muss man auch als extremer Au├čenseiter noch mitspielen im Spiel, oder eben extremes, extremes Gl├╝ck haben. Dieser gewisse Grad ist das ├ťberleben, ist nunmal faktisch die Kohle.

    Auch wenn er im Wortlaut und der Spezifik teilweise altbacken ist: Ich denke darum geht es Regener.

    1. Da ist sie wieder, diese ‘irgendwann muss doch was dabei rumkommen’ Haltung. N├Â, muss nicht. Manche machen halt einfach nicht die Sorte Musik, bei der was rumkommt. (Siehe z.B. der Abschiedsbrief von AIDS Wolf, den ich verlinkt habe.) Und das sag ich nicht zynisch, sondern nur realistisch – wenn keine Leute Geld daf├╝r ausgeben wollen, dann kann ich sie nicht dazu zwingen. Mir bricht es auch jedes Mal das Herz, wenn ich eine f├╝r mich besonders gro├čartige Band veranstalte, und da grade mal 50 Leute auf’s Konzert kommen. Keine Frage.

      Ich sehe es keineswegs so, dass sich Geldverdienen und Musik aus Leidenschaft/Idealismus machen, ausschlie├čen m├╝ssen – keine Ahnung, wie Du darauf kommst. Ich hab doch geschrieben, dass ich auch nichts dagegen h├Ątte, von meiner Musik leben zu k├Ânnen, oder soviel finanziellen Freiraum zu haben, ├╝berhaupt mehr Zeit meiner Musik widmen zu k├Ânnen. Aber ich w├Ąre nie so unversch├Ąmt und w├╝rde das einfordern und die beschimpfen, die nicht f├╝r meine Musik zahlen. Warum sollte ich mehr Anrecht darauf haben davon leben zu k├Ânnen, wie jemand anders? Deswegen ja mein Zitat von wegen gesichertes Mindesteinkommen f├╝r alle. Nicht nur f├╝r den K├╝nstler als sch├╝tzenswerte Kreatur.

      Und sorry – ich lese aus Regeners Text, dass da einer, der jahrelang erfolgreich auf einem Majorlabel unterwegs war, jetzt beschwert, weil’s nicht mehr so gut l├Ąuft und deswegen seine potentiellen K├Ąufer beschimpft. Und das finde ich unversch├Ąmt.

      Was anderes: Was ist denn bitte ‘echte’ Kunst?

  4. Hallo eve massacre!

    Leider war ich schon l├Ąnger nicht mehr im Blog unterwegs und habe erst jetzt gesehen dass Du micht im oberen Post zitiert hast. Ich w├╝rde es sehr begr├╝├čen, wenn Du meinen Kommentar komplett ├╝bernehmen w├╝rdest, bzw. nicht aus dem Zusammenhang rei├čen w├╝rdest.

    Dann f├Ąllt auf das mein Vergleich nicht hinkt und nur aussagt, das f├╝r eine gewisse Leistung – wenn ich Diese beanspruchen m├Âchte – ein gewisses Entgeld verlangt wird, welches der Verk├Ąufer erstmal vorgibt. Ist mir das zu teuer, oder gef├Ąllt mir die Leistung, das Produkt, das Br├Âtchen nicht, wird der Verk├Ąufer kein Gesch├Ąft mit mir machen.

    Danke f├╝r Dein Verst├Ąndnis.

    1. Kein Problem. ├ändert aber nichts an dem Punkt, dass ein Vergleich von Sacheigentum mit dem Urheberrecht hinkt (z.B. wenn der B├Ącker das Br├Âtchen verkauft, hat er es nicht mehr. Ein Song dagegen kann unendlich oft digital kopiert werden.)

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  • Sein Urheberrecht! Sven Regener regt sich auf. Ich auch. « Breaking The Waves

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