Wieder besser – Bowie, Rigaer, #ausnahmslos, Reclaim The Night

Ein bisschen Sonnenschein, ein bisschen von der Erkältung erholt, bisschen Kaffee schlürfend, bisschen Bowies ‘Low’ anhörend und sich dabei fragend, wieviel Bowie-Songs ich wohl in mein DJ-Set beim Radio Z Winterfest diesen Samstag schmuggeln kann. Bowie hat mich schon sehr musikalisch und (queer)kulturell sozialisiert und war immer da – mit einigen Songs, die mich durch intensive Lebensmomente begleiteten. Ich mag gar nichts selber über ihn schreiben, weil schon so viel geschrieben wurde. Allein schon in wunderbaren Tweets wie diesen x  – x  – x –  x –  x –  x –  x. Mein Tweet dazu war ein schlichtes “not Bowie”. Also, ein Bowie-Song pro Stunde muss am Samstag schon drin sein, 5 Stunden lege ich auf – vielleicht doch zwei pro Stunde?! ⚡?★?

RADIO Z WINTERFEST

 

Noch ein Kaffee. Sachte den Kopf über die Nachrichten schütteln. Wie viele Cops braucht’s um eine Glühbirne – oh, nee: um ein linkes Haus zu durchsuchen? 500. Keine Pointe. Wieviele Nazis braucht es, um die Glühbirnen eines ganzen Straßenzugs kaputtzukloppen? Weiß man nicht, die Polizei war gerade mit was anderem beschäftigt. Wie in Köln Silvester. Dass die Berliner Cops so gefährliche Gegenstände wie Feuerlöscher bei der durchsuchungsbefehlfreien Durchsuchung gefunden und mitgenommen haben, lese ich mal mit REO Speedwagon als: Keep the fire burning, comrades. Kann man so machen, muss man aber nicht.

Die Zeit schreibt, dass Erika Steinbach und Kristina Schröder Mitglieder einer fundamentalistischen evangelikalen Kirche (SELK) sind. Einer Kirche, die die sich als explizit antimuslimisch begreift und zu deren Kodex anscheinend gehört, dass Frauen den Mund halten und zu Hause bleiben sollten. Was ja nu’ nicht das Schlechteste wäre, was Schröder und Steinbach tun könnten. (Außerdem versteckt sich da eine “SEK” Pointe in “SELK”, aber ich komm gerade nicht drauf.)

Oh, und der Perlentaucher Thierry Chervel hat sich als Antifeminist geoutet, als waschzettelechter Bildungsbürger-Patriarch, der angesichts der #ausnahmslos Aktion Angst um seinen Safe Space hat. Da stampft er schon mal wütend mit seinem reichweitenstarken Blog auf und besteht darauf, dass seine Weltsicht doch die ‘reale’ ist. Armer Thierry.

Als wichtigen und eindringlichen Text zu #KoelnHbf und #ausnahmslos empfehle ich den von Teresa Bücker (Edition F) im Freitag, die darin unter anderem auch noch mal erklärt, dass es eben nicht darum geht, dass je nach Perspektive Rassismus oder Sexismus trumpft – “Gegen sexualisierte Gewalt wird auch auf dem Tahrir-Platz demonstriert. Genau wie muslimische Feministinnen in Deutschland und anderen Ländern über Geschlechterbilder debattieren.”

Für #ausnahmslos könnt ihr übrigens nun auch per Formular auf der Seite einfacher mitzeichnen.

Dass Polemik oft einfach wohltuend ist, ging mir bei dem Text von Bundesrichter Thomas Fischer in der Zeit so: Unser Sexmob. Wo ich dazu tendiere ihm nicht beizupflichten, ist der Punkt, dass bestehende Gesetzgebung schon ausreicht, wenn sie angewandt wird, und zwar nachdem ich diesen und diesen [pdf] Text zum Thema gelesen habe.

Insgesamt bin ich aber ja immer eher für gesellschaftliche oder sozial/kulturelle Lösungen anstatt Gesetzesverschärfungen. Wie gruslig die von der CDU vorgeschlagenen angesichts #KoelnHbf ausfallen, hat Metronaut zusammengefasst. Schutzparagraph 112 (ratet mal wer nun besser geschützt werden soll!), Schleierfahndung ausweiten, versteckte Einschränkung des Demonstrationsrechts, grausame Änderungen im Asylrecht usw.

In Nürnberg haben ein paar Leute vom Musikverein und ich uns Ende letzten Jahres dran gemacht, das Thema Übergriffe im Nachtleben anzugehen, ich hab den Namen ‘Reclaim The Night’ dafür gefunden, wobei sich drüber streiten ließe, ob es nicht eigentlich ‘Claim The Night’ heißen sollte, da es wahrscheinlich nie wirklich so viel besser war. Wir sind es einfach müde, mit was für einer Selbstverständlichkeit immer und immer wieder Männer (meist sind es Männer) Frauen (meist sind es Frauen) gegen ihren Willen auf der dunklen Tanzfläche betatschen, oder sie weiter bedrängen und anmachen, wenn sie schon längst nein gesagt haben. Und das in wirklich allen Clubs. Bei einem Treffen mit anderen Veranstalter*innen waren wir uns einig: Es wird keine einfache Lösung geben, die das aus der Welt schafft, sondern es ist ein langer nerviger anstrengender Weg. Für mich ist der erste Schritt dahin, das Problem sichtbar zu machen. Denn die Selbstverständlichkeit mit der dieses Verhalten so oft unsanktioniert durchgeht oder gar mit “jetzt hab dich halt nicht so” abgetan wird, und mit der regelmäßig Frauen der Clubabend durch solche Verhaltensweisen versaut wird, funktioniert nur deswegen so gut, weil nicht darüber gesprochen wird, oder nur von Frauen und Vertrauten untereinander, und damit die tatsächliche Häufigkeit der Vorfälle unter den Tisch fällt. Unsichtbarkeit trotz dauernder Gegenwärtigkeit. Weil es als öffentlichen Konsens nur die Perspektive von – pardon – Chervel gibt. Wie es Teresa Bücker im oben erwähnten Artikel geschrieben hat: “Auch wenn wir das Bett oder die Vorstandssitzung miteinander teilen, die Geschlechter in Deutschland leben nach wie vor in verschiedenen Realitäten.” Wir dürfen keine Angst davor haben, als Spaßverderber oder Szenepolizei dazustehen, nur weil wir das sichtbar machen. Denn den Spaß verdirbt es uns schon lange. Nun wird es höchste Zeit, ihn sich zurückzuholen, und wenn das heißt, nun denen den Spaß verderben zu müssen, die sich so verhalten und denen, die dazu schweigen oder es verharmlosen – so effing what?!

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