Gegenwartsbewältigung von Max Czollek

Großartige Analyse und Abrechnung mit der Selbstgefälligkeit der bürgerlichen “deutschen” Dominanzkultur, die noch immer nicht in der post-migrantischen Realität angekommen ist. Von deutschem Erinnerungstheater bis zu den Reaktionen auf den rechten Terror von Hanau, von Aktionen des Zentrums für Politische Schönheit bis zu gesellschaftlichen Ungleichheiten während Corona: Czollek weiß zu ranten, ohne dass er der sprachlichem Gepfeffertheit die Genauigkeit der Kritik opfert. Was aber noch schön wäre: Wenn –vor allem im Kapitel zu intersektionalen Feminismus und Radikaler Vielfalt– nicht Kapitalismuskritik eine Leerstelle bleiben würde, die leider gerade dann dröhnend ins Gesicht und Gewicht fällt, wenn individuelle Wohltätigkeit als akzeptable Lösung zur Finanzierung künstlerischer Tätigkeit erhoben wird, und das ausgerechnet am Beispiel Engels / Marx. Dass dieses Beispiel kein Zufall ist, davon ist bei Czolleks scharfem Blick schon auszugehen. Aber das Buch ist eine wirklich lesenswerte, oder auch, wie ich es genossen habe: hörenswerte Polemik.

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