Harter Lockdown jetzt!

Ich bin für einen sofortigen harten Lockdown. Eigentlich bin ich das schon seit März, aber ich war zwischenzeitig wirklich ausgelaugt, konfliktscheu und wollte es nur noch aussitzen. Gerade agiert unsere Regierung aber mit so einer Verachtung von Menschenleben – oder besser gesagt: noch menschenfeindlicher als sonst, will ja nicht Systeme wie Hartz IV oder die Flüchtlingspolitik verharmlosen –, dass ich mich doch auch mal wieder hierzu äußere.

Ich zitiere mal: “Weiterhin verzeichnen die Intensivstationen in Deutschland steigende Patientenzahlen. „Einen Effekt des Lockdowns spüren wir auf den Intensivstationen immer mit einer Verzögerung von 14 Tagen bis drei Wochen – aber derzeit ist noch gar nichts zu spüren“, sagt der neue Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), Professor Gernot Marx, Direktor der Klinik für Operative Intensivmedizin und Intermediate Care am Universitätsklinikum Aachen.”

Und das Beste, was sich derzeit abzeichnet ist, so weiterzumachen wie bisher statt endlich einen tatsächlichen harten Lockdown zu beschließen?! Ich hab’s echt so satt, wie unsere Regierung auf Menschenleben und medizinische/Pflegearbeit u.v.m. scheißt. Über die Feiertage alleine sind “2.516 Patienten auf den Intensivstationen verstorben.”

Wenn es mir jemand als persönliche Betroffenheit auslegt, dass ich einen harten Lockdown fordere:

Ja, das geht mir auch deswegen so nah, weil ich mich als Risikoperson noch mal länger in Eigenverantwortung abschotten muss, was mich inzwischen psychisch und körperlich echt runtergerockt hat.

Ja, das geht mir auch deswegen so nah, weil ich als Kulturarbeiterin angesichts einer solchen Pandemie gerne akzeptiere, auf mein Sozialleben zu verzichten, das zu großen Teilen um meine Kulturarbeit herum abläuft, und gerne akzeptiere, nicht unter die erhaltenswerte Wirtschaft zu fallen, ABER NUR, wenn ich wegen konsequenter Maßnahmen aufs Abstellgleis gefahren werde, und nicht, wenn es so ein halbgares Hingeziehe im Namen ein paar weniger Branchen ist. Sozialentzug, Kulturentzug und Existenz/Zukunftsangst sind nicht der angenehmste Mix.

Und last, aber gewiss nicht least: Ja, das geht mir auch deswegen so nah, weil ich als queere Linke für eine Politik der Solidarität stehe, und ich mich von einer alles andere als linken Regierung schlicht ausgenutzt fühle dafür, dass ich aus Gründen der Solidarität stillhalte. Bin Bini Adamczak für ihren Tweet heute früh deswegen echt dankbar:
“Links ist nicht, die Coronapolitik der Regierung gegen rechte Coronaleugner zu verteidigen. Links ist, die Coronapolitik der Regierung anzugreifen: für Millionen Infizierte und zehntausende Tote im Namen der nationalen “Wirtschaft”.”

(via David Garcia Ernesto Doell)

Von daher: Ja, ich habe persönliche Gründe, wenn auch keine allzu egoistischen, aber der Hauptgrund für meine Forderung eines sofortigen harten Lockdowns (inklusive Schulen und aller nicht wirklich systemrelevanter Arbeit) ist der eingangs mit dem Zitat von Gernot Marx angeführte: Die Pandemie lässt sich anders nicht ohne das Opfern weitererer zehntausende von Menschenleben in den Griff bekommen.

P.S.: Bilder von der Querdenker-Demo in Nürnberg dieses Wochenende und das späte und verharmlosende Statement des Oberbürgermeisters König dazu, lassen mich tatsächlich nach Kritik an der Polizei in Form des Wunsches nach härterem Durchgreifen fragen (facebook, Twitter). Auch das fühlt sich für mich als Linke ziemlich weird an, aber wie ein Freund auf Twitter tröstend meinte: “Adorno hat mal gesagt, dass Autorität nur bei denen anzuwenden ist, bei denen die Würfel schon gefallen seien, wenn es darum geht kurzzeitig Erfolg zu haben. Das darf aber langfristige Pädagogik und Aufklärung nicht ersetzen. Löst da gut auf i.m.A.” Hier auch das Statement von Das Schweigen durchbrechen: Querdenken in Nürnberg

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