Wenn die Worte versiegen

Wahrscheinlich kennen alle, die schreiben, verschiedenste Formen von Blockaden. Du setzt dich mit einer groben Idee hin, willst das tippen anfangen, und – peng! Nada.

Sonst läuft es so: Ich habe eine grobe Idee, tipp die hin, knüpf in einem Flow verschiedene Gedanken, bis ich mich verrenne, das werf ich als loses Machwerk aus Maschen und Knoten aus, grobmaschig hin getippt in einen, in einem wilden Fluss. In diesem Netz trenne ich dann wieder Verbindungen, knote sie an anderen Stellen fest, verhedere mich, entknote, komme bei was ganz anderem raus, als worauf ich zielte, ich ändere und überschreibe, bis die Sprache halbwegs sortiert und übersetzt hat, was in meinen Gedanken vor sich geht: bis sie klingt.

Es ist ein wunderschönes Gefühl, ein kleines manisches High, in so einem wachsenden Text herum zu tasten, bis ich ihm entringen kann, was er von mir, was ich von ihm will. Umso frustrierender ist, wenn die damit verbundene Leichtigkeit nicht eintritt, einfach nichts gelingt. Wenn ich den ersten Satz tippe und nicht die gewohnte Welle an Worten und Gedanken kommt, sondern mein Text nach ihnen schnappend verendet wie ein Fisch an Land. (Okay, pardon the Bildersprache, mag sein, dass ich die letzten Abende zuviel in Red Dead R2 geangelt habe.)

Besonders schmerzt dieses Versagen, wenn es Themen und Kontexte sind, die ich für Menschen oder Publikationen schreibe, an denen mir liegt, und nicht nur für meinen Blog, sprich: wenn ich für und vor anderen scheitere. Aus einer aktuellen solchen Situation heraus schreibe ich jetzt stattdessen wenigstens diesen Text übers Schreibversagen.

Ganz ehrlich: Es liegt auch an meiner psychischen Situation, die während der Pandemie nicht gerade besser wurde. Genau die Impulse, die ich verdrängen musste, um in dieser Zeit der Isolation, Unsicherheit und erzwungenen Untätigkeit als Veranstalter*in und DJ bzw auch Party-Konzepionierer*in nicht komplett durchzudrehen, fehlten mir oft, wenn ich etwas Kreatives anfangen wollte. Von depressiven Phasen ganz zu schweigen. Es ist jetzt wieder besser, aber ich bin noch nicht wieder ganz zurück.

Vor ein, zwei Monaten fragte nun eine Freundin, die wunderbare Subrihanna, ob ich einen Text für das Heft zu ihrer nächsten Ausstellung schreiben wolle. Sie ist Visuals-Künstlerin, die gerade auch an neuen Projekten mit Interaktion arbeitet: Sessions, in denen Musiker*innen oder DJs auf Live-Visuals und/oder ein übergeordnetes Narrativ reagieren, wie kommenden Sonntag mit “Glass Fibre Roots” im Space Between in Nürnberg:

Mich hat die Anfrage sehr gefreut und es ist ein spannendes Themenfeld, aus dem ich mir etwas hätte aussuchen können, zum Beispiel: Wie Aspekte von Live-Elementen und Aufgezeichnetem ineinandergreifen. Das für das Publikum Statische und Nichtnachvollziehbare von Laptop-Perfomances, das mit Live-Visuals gebrochen und um eine ganz andere Ebene erweitert werden kann. Oder wie die Rolle der Visualskünstler*innen oft nur als begleitendes und bestenfalls verstärkendes Eye-Candy gesehen wird, ähnlich unterschätzt wie die Rolle von Tänzern wie Bez (Happy Mondays) oder Keith Flint von The Prodigy (zu “Music For The Jilted Generation”-Zeiten war er noch kein Sänger. Und völlig unrelated: “Break & Enter” ist immer noch ihr bester Track).

Interessant wäre auch gewesen, über Authentizitätsvorstellungen nachzudenken, darüber wie sich die Einstufung von bestimmten Elementen im Live-Musikkontext als “fake” verändert hat und weiter verändert: Galt irgendwann alles, was nicht vor Ort im selben zeitlichen Kontext mit dem Publikum originär und analog gespielt wird, als unauthentisch, hat sich das im Laufe der Jahre verschoben und inzwischen sprechen sogar DJs davon, dass sie “live spielen,” wenn sie auflegen und es gibt Künstler*innen, die mit Live-Einsatz von AI spielen. Wo steht da Live-VJing? Oder auch Themen wie das Spannungsfeld zwischen Subkultur und Kreativwirtschaft, zwischen Konzertsaal und Galerie, Club und Museum, zwischen Kollektiv und Solo-Artist.

Ich hab mich einige Male dran gesetzt, mit einem guten Gefühl, aber nein: Ich bin nie über ein paar Sätze hinausgekommen, egal wie ich mir den Kopf zermarterte. Trotzdem wartete ich und wartete ich, denn: Wer weiß, ob mir im letzten Moment doch noch ein Text aus den Fingern schießt?! Aber es sollte nicht sein.

Scheitern schmerzt, und es sich selbst und anderen einzugestehen ist peinlich und fühlt sich auch nach einer vertanen Gelegenheit und enttäuschten Verbindung an. Was hätte sich da alles für Gedanken hinter der ersten groben Idee entdecken lassen? Als echte Drama Queen frage ich mich in so einer Situation natürlich auch immer, ob ich jemals wieder in einen Schreibfluss kommen werde, oder ob es das jetzt einfach war. Auch ein Grund für diesen Text hier, der so zum Ausdruck von zwei Sachen wird: Nein, das wars noch nicht mit dem Schreiben an sich, nur leider mit dem Text für deine Ausstellung: Liebste Subrihanna, es tut mir leid und mach bitte so großartig und spannend und down to earth weiter wie bisher! <3

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