BIO

* Ich bin Künstlerin, Autorin, DJ, Veranstalterin, Aktivistin, Expertin
* Ich blogge auf evemassacre.de auf englisch und auf breakingthewaves.de auf deutsch
* Meine Kernthemen sind Kultur der Digitalität, Zukunftsdenken, Politik und Popkultur, und weil es noch nötig ist: queerer Feminismus. Zu ihnen schreibe ich nicht nur, sondern halte auch regelmäßig Vorträge.

Ich komme aus einem Kollektivbackground. Zentral ist dabei der musikverein (KOMM / K4 / heute: Künstlerhaus), eine Veranstalterkollektiv, das schon in Nürnberg veranstaltete, als die Stadt in den 70ern noch bekannt für ihre bewegte, eigenverantwortliche Soziokultur war. Der musikverein schätze ich, weil er genauso für Spex wie für DIY Punk steht, für Clubkultur und Politics, für eine ebenso kritische wie solidarische Kulturarbeit. Es ist ein sehr erfüllender Bereich meines Lebens, über den ich hier aber relativ wenig zu sagen habe, da die Veranstaltungen und der soziale Raum, den wir dafür schafen, für sich sprechen (sollen). Zuvor und ein paar Jahre parallel prägte mich auch die freie Radiokultur rund um Radio Z, wo ich einige Jahre in der Musik- und Wortredaktion tätig war. Das und vieles, was mir eine schwierige Jugend, ein paar gute Lehrer*innen (vor allem ein unvergesslicher Deutsch-LK), diverse Jobs, dann sechs Jahre Studium (Neue deutsche Literatur, Englische Philologie, Soziologie) und einige großartige Menschen in Sachen Erfahrung und selbständiges kritisches Denken mitgaben, half mir, mich für einen Lebensweg zu entscheiden, der zwar recht prekär ist, mir aber ein großartiges Netzwerk von Communities beschert hat. Es gibt mir Möglichkeiten, Kultur und die Strukturen, in denen sie stattfinden mitzugestalten, und die Freiheit, mich kritisch mit ihnen auseinandersetzen zu können, sowie Zeit dafür, zu schreiben und zu veröffentlichen, mich auch in den Bereichen, die mich außerdem noch interessieren, stetig weiterzubilden, neues Wissen anzuwenden, in Vorträgen oder im Netz zu teilen und zu diskutieren und mich politisch und künstlerisch zu engagieren.

… was mich neben dem Konzerteveranstalten die letzten zehn Jahre beschäftigt hat, vielleicht ein bisschen chronologisch?

Zusätzlich zur Popkultur zunehmende Auseinandersetzung mit der Kultur der Digitalität und Kapitalismuskritik

2012 bis 2015: Mitaufbau, Kuratieren und Texte für Social Media Watchblog

2013: Mitherausgeberin von Tine Plesch: Rebel Girl – Popkultur und Feminismus (Ventil Verlag)

2014: Network of blood. Von »Augmented Reality« bis zum »Liquid Self«: Nathan Jurgensons Webtheorien
Essay für die testcard #24 Bug Report (Ventil Verlag)

2014: Mitorganisation “Rage Against Abschiebung” im musikverein

2015: Vortrag “Soft Resistance. Social Media, Smartphones, digitaler Dualismus und das Konzept digitaler Enthaltsamkeit.
(gehalten u.a. in Nürnberg und bei “city data explosion” in Bremen und Hamburg, Interview in Der Spiegel)

2015: Essay “Kommunistische Waschbären und feministische Avocados – Twitter-Fake-Accounts als Praxis satirischer Kritik” für Jokebook, eine Buchveröffentlichung zur Ausstellung Redemption Jokes der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst (Berlin)

Auseinandersetzung mit Möglichkeiten, Limits und Effekten von Virtual Reality und Augmented Reality

2016: Vortrag “VR und Kunst – Anything goes? Warum es sollte.” auf der re:publica
Interviews und Texte zu VR und AR (u.a. Mediaschool Bayern, Malmoe, an:schläge)

2016: Lokale kulturpolitische Initiative im musikverein: Reclaim The Night – gemeinsam gegen Übergriffe im Nachtleben.
3-geteilte Aktion mit Präsenzslogans, Diskussions- und Vernetzungsangeboten:
– Visuals mit Slogans bei Club Nights an der Hauswand, die auch Vorbeilaufende erreichen und eine Auseinandersetzung mit dem Thema anregen sollen sowie die Nulltoleranzpolitik des musikverein, was Übergriffe angeht, verdeutlichen
– Runder Tisch mit anderen Veranstalter*innen zum internen Austausch
– Abend für Gäste/Betroffene: “Reclaim the Night Lounge – Let’s make our spaces safe together.” Kurzer Impulsvortrag + offene Gesprächsrunde.

2016: Vortrag “Reclaim The Night – gemeinsam das Nachtleben sicherer machen
(u.a. Klangtherapie Festival, Frauenzentrum Erlangen)

Auseinandersetzung mit unbezahlter Arbeit zwischen DIY Kultur / Community Engagement und Selbstausbeutung, den Grenzen zwischen Subkultur und Kreativwirtschaft, sowie mit öffentlichem Raum und Plakatkultur

2016: Essay und Kurzvortrag “Plakate zwischen Kommen und Gehen” für Wilde Plakate Zine und Ausstellung im Edel Extra von Philipp Dittmar (Nürnberg)

2016: Eröffnungsrede zur Vernissage von “Holy Queers & Tricky Myths” (Galerie Bernsteinzimmer, Nürnberg)

Auseinandersetzung mit weiblicher Fankultur, Frauen in Musikszenen und Digitalisierung von Fankultur

2017: Vortrag “That’s why the lady is a fan.” Genderkluft in der Fankultur, Fankultur als Selbstermächtigung, Configurable Culture durch/mit der Digitalisierung der Fankultur.
(u.a. in Nürnberg im Rahmen der Ausstellung “Passion”, Berlin, Würzburg, Esslingen)

2017: Eigene Radiosendung “Future Content” auf Radio Z + als Podcast, 1x im Monat zweistündig, in der ich meine Liebe zur Musik und anderer Popkultur, sowie meinem Interesse an neuen Technologien und Gesellschaft zusammenbrachte

2017: Lokale kulturpolitische Aktion im musikverein: Genderkongress gegen den Genderkongress
Ziel: Lesende / Vortragende und Publikum aus verschiedenen Szenen zusammenzubringen und einen wissenserweiternden und vernetztenden Abend zu schaffen, statt “nur” gegen Maskulisten zu protestieren
GENDERKONGRESS – Gender Revolutions” Ein unterhaltsam-kritischer Abend gegen den Genderkongress mit Vorträgen und Literarischem
Ich selbst trug einen knappen Einführungsvortrag bei, der später ausgearbeitet als “Die Pille für den Mann” in Analyse & Kritik veröffentlicht wurde.

Daraus entstand eine längere Auseinandersetzung mit dem Thema Radikalisierung im Netz, Manosphere / Incels, Methoden rechter Rekrutierung, und: Methoden dagegen

2018: Vortrag “Matrix und die Manosphere – Verletzte und vernetzte Männlichkeit als Einstieg in die Radikalisierung nach Rechts
(u.a. Nürnberg, Gender Salon in Basel, AG Queer Studies in Hamburg, diverse Interviews dazu)

2018: Initiieren der Reihe “Popgesellschaft” – Vorträge, Diskussion, Musik rund um Popkultur und Gesellschaft im musikverein

2018: The Drag-on-Ball x Orchid” – erster Voguing Ball in Süddeutschland mit J.J. Laconya, im musikverein

2018: Initieren der Reihe “Feministisch Biertrinken” im Rahmen des musikverein.
Bar DJing und (queer-)feministische Textbeiträge und Rumhängen mit eve massacre, not_betty, Amelie, Pola Ruin, Lisa Neher u.a.

2018: Vortrag “Augmented Reality und der Virtualitätsmythos
(u.a. TechnoGenderBodies LMU München)

Zunehmende Auseinandersetzung mit Speculative Fiction / Speculative Design / Future Imaginaries und Stadtplanung / Öffentlichkeitsverständnis / DIY Clubkultur und Sicherheitspolitik

2019: Vortrag “Stadtspekulationen – Speculative Fiction und das Recht auf Stadt
(u.a. bei city/data/explosion in Bremen und Hamburg)

2019: Deep Malle – Hölle? Hölle, Hölle, Hölle” Kritisches Kunstprojekt für den musikverein, über und im Rahmen der Blauen Nacht Nürnberg

2020: Initiieren des “Feministisch Biertrinken Pubquiz” als Livestreamformat des musikverein während Corona, dann auch offline Open Air (Desi, Kulturoase)

2020: Initiieren des “Drop Out Club” Musik+Talk als Livestreamformat des musikverein

Zunehmende Auseinandersetzung mit spekulativen Denkansätzen und Suche nach konkreteren Utopien, die sich gegen eine Weltuntergangsstimmung  wenden

2020: Radical Utopias – Training for a complicated future
Buchvorstellung und utopische politische Diskussionsreihe mit Tobi Lindemann und eve massacre (mehr info)
Wegen Corona als Onlineformat: Buchvorstellung auf YouTube mit anschließender Diskussionsmöglichkeit auf Zoom.

August 2020: Artikel über Zombies für das Horror-Dossier des Missy Magazins, der mir Lust auf mehr Beschäftigung mit dem Thema gemacht hat …

 

Auswahl der Partyreihen, die ich beim musikverein (mit-)gemacht habe:

2003 bis 2011: “Sophisticated Boom Boom” Club Night mit Tobias Lindemann, René Margraff, Peter Hilpert u.a.

2005 bis 2006: “D!sco !nf!ltrators” Indiedance/Electroclash/House/Techno Club Night mit Stefan Wagner

2004 bis 2007: “Nurotic Soundsystem” Breakcore/Grime/Dubstep Club Night mit Tobias Lindemann

2005 bis 2010: “Melting Pop” Jährliches Festival lokaler underground Club Nights

2008 bis 2010: “Kill The Poor” Club Night mit Quirin Serger, Tobias Lindemann, Peter Hilpert u.a.

2008 bis heute: “Orchid” Queer Club Night (Gäste u.a. Men, Scream Club, JD Samson, Le1f, Hildegard von Binge Drinking, Agyena, Grgr)

2011 bis 2017: “Sissy Bass” Bass Music Club Night mit jazz:pa, MAUNZ, dana. (Gäste u.a. Moor Mother, Kuedo, Elysia Crampton)

2014 bis heute: “Dancing With Tears In My Eyes” 80s Club Night mit Philip Manthey, Synthie&Bert, Quirin Serger u.a.

2016 bis heute: Orchid Queer Karaoke Night

2017 bis 2019: “Drama” hybrid electronic music Club Night mit MAUNZ, dana., Philip Manthey u.a. (Gäste u.a. Mechatok, WaqWaq Kingdom)

2018 bis heute: “Here” House/Disco Club Night mit Ramshackle

Noch ein paar Sachen, die mich prägten:

the flamingo massacres + eve massacre

Nach drei, vier anderen Bands fand ich in the flamingo massacres meine prägendste Banderfahrung. Songwriting, Aufnehmen, Veröffentlichungen (1 Album, 1 EP und diverse Singles), Europatouren in DIY-Strukturen mit zwei großartigen Frauen zusammen. Das und das Veranstalten beim Musikverein gab mir das Gefühl, Teil eines weltweiten losen Undergroundnetzwerks idealistischer Menschen aus den verschiedensten Backgrounds zu sein. Und John Peel hat uns mal gespielt. Alles erreicht quasi. Eine prägende Zeit, die mich auch lehrte: das Lokale macht für mich nur in Verbindung mit dem Internationalen Sinn. Lokalismus stumpft ab und ist auch nur Patriotismus/Nationalismus in geographisch kleinerem Raum. Später bin ich dann solo als eve massacre unterwegs gewesen, anfangs noch mit Bass und Minidiscrecorder, auf dem ich meine Beats hatte, später dann als Laptopartist. Ich brachte ein Album, und ein zweiteiliges Doppel-Mini-CD + MP3-Album raus, sowie diverse Remixes, und Single-Tracks, die es nur zeitweise online gab. Und eine EP als Killing Mister Moonlight. Einen großen Teil der Musik von the flamingo massacre und eve massacre findet ihr hier auf Bandcamp.

Mashups (Bootleg Mixes, Bastard Pop, Cut Ups)

Wer auch immer mir bei Radio Z das Schneiden mit Samplitude beigebracht hat, ist schuld an meiner elektronischen Musik. Kaum 2001 herum über Boomselection gestolpert, wurden Fruity Loops und Wavelab für mich was Schere und Kleister für Collagekünstler*innen sind, und ich wurde schnell Teil von, später auch Moderatorin des Onlineforums, das damals das internationale Zentrum der Mashups-Kultur war: GYBO (Get Your Bootleg On, von Grant Robson aka McSleazy, einem DJ aus Schottland, gegründet). Dank meiner Mashups spielte ich schließlich auch Auswärts-DJ-Gigs, die mich auch mal nach Budapest, Den Haag oder London verschlugen. Das Schöne an dieser Zeit war der freie Umgang mit Copyright, ohne den Bootleg Mixes nicht möglich gewesen wären. Damals stellten wir unsere Tracks einfach online, posteten sie auf GYBO, luden die Mashups anderer herunter, kommentierten uns gegenseitig, manche spielten sie auch im Club oder Radio, aber es war lange Zeit eine Szene, die hauptsächlich online stattfand und: non profit, “for laughs.” In dieser Zeit liegen die Wurzeln meines Interesses an Configurable Culture (Aram Sinnreich) und der Kritik an der Idee des geistigen Eigentums. Heute sind nur noch eine Handvoll meiner Mashups online zu finden, die irgendwelche Menschen auf Youtube luden: Sweet as neurotic indie boys, Fuck the kids, Slow means slow, Dance to the sound of unity, LCD Bear, The ABC of poison

YOT Zine

Von 1999 bis 2004 war ich mit Tobi Kühn und Tobi Lindemann das Kernteam für ein Fanzine / Magazin, das der Musikverein zusätzlich zum Konzerteveranstalten veröffentlichte. Das YOT Zine war ein kulturelles und politisches Szeneorgan, das in Nürnberg gratis auslag, aber auch überregional gelesen wurde (Vertrieb v.a. über Platten-Mailorder). Wir steckten wahnsinnig viel Herzblut und Arbeit rein, und es war sehr bereichernd. Es erschien zweimonatlich und im Schnitt war es ca. 50seitig, aber das ein oder andere Mal wurden es auch 68 Seiten.

Radio Z

Zum freien Radio brachte mich vor allem Tine Plesch, die feministische Musik- und Kultur Grand Dame. Das Radio empfinde ich als ein spannendes Medium, gerade auch in seiner freien Struktur und seiner kritischen Haltung. Bei Radio Z war in der Musikredaktion und in verschiedenen Sendungen aktiv (Castrop Rauxel, Stoffwechsel, Akte XX, u.a.), mit anderen zusammen habe ich die Late Night Musiksendung Audiopets gestartet. Prägend war vor allem auch die Arbeit hinter den Kulissen: Zahllose Plenas und Arbeiten an Umstrukturierungen, politische und kulturelle Diskussionen, der Austausch und das gemeinsame Arbeiten war sehr horizonterweiternd und intensiv. Fühle mich bis heute als Teil der freien Radio Community.

Bloggen und Social Media

Ich bin das, was wohl “extremely online” genannt wird. Twitter ist heute mein Haupt-Social Media und das Smartphone mein fast-Bioport in die geographisch unabhängige Welt. Ich weiß gar nicht genau, wann ich das bloggen begann, weil ich meinen ersten Blog nicht archiviert habe. 2000 rum muss es wohl gewesen sein, als auch noch Myspace und Messageboards meine zweite Heimat waren. Seit 2004 bin ich auf WordPress mit evemassacre.de und seit 2011 habe ich meinen deutschsprachigen Blog breakingthewaves.de. Wie bei so vielen hat Social Media-Aktivität mein Bloggen reduziert, aber ohne den Blog als stete digitale Begleiterin würde ich mich nach wie vor nackt fühlen: diese Möglichkeit des Veröffentlichens zu meinen Bedingungen ist unersetzbar. Bloggen ist mal mehr lautes Denken für mich, mal essayistischer, mal ein wütender Rant, mal eine glühende Liebeserklärung, mal öffentliches Tagebuch, mal Zusammentragen von allem, was ich zu einem Thema erlesen habe und denke. Seit einigen Jahren werden manchmal auch Vorträge draus, wenn ich mich länger mit einem Thema beschäftigt habe. Ich freue mich über Austausch, Anregungen, Verlinkungen und ja, auch über Kommentare, allerdings schalte ich nicht alle frei, da ich dank dem Bloggen auch meine Erfahrungen mit Hasskommentaren sammeln durfte. Ach ja: Facebook und Instagram weiß ich auch (noch) zu schätzen, bei aller Kritik.

Ladyfest Nürnberg 2005

Um Tine Plesch nach ihrem Tod zu ehren, tat sich eine große Gruppe von Frauen in Nürnberg zusammen und veranstaltete 2005 ein großes, dreitägiges Ladyfest im kompletten Künstlerhaus mit einem diversen und internationalen Programm von Konzerten, Filmen, Ausstellungen, DJs, Workshops, Vorträgen. Eine großartige Erfahrung, die meine Liebe zur kollektiven Veranstaltungsweise noch mal vertiefte, an der das Besondere ist, dass das Organisieren (samt allen Diskussionen, Entscheidungen, Vertrauen, entstehenden Freundschaften und Gräbenkämpfen, die überwunden werden müssen, usw.) genauso wichtig ist wie die Veranstaltung, die dabei rauskommt. Solche Strukturen sind so wichtig für ein Lernen von Demokratie, solidarischen Strukturen, Verantwortlichkeit, gegenseitigem Wissen und sie öffnen Möglichkeitshorizonte.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld

*

Ich stimme zu